Vorurteile und Stereotype – über das alltägliche Schubladendenken

Positive, negative und neutrale Verallgemeinerungen

Französinnen und Franzosen sind romantisch, Österreicher*innen sind immer am Berg und jodeln, Nigerianer*innen laufen alle schnell und tanzen gut, Italiener*innen essen immer Pizza und Pasta. Schon ganz schön kreativ. Verallgemeinerung und Übergeneralisierung liegen in der Natur des Menschen, früher waren sie für uns sogar überlebensnotwendig. Wir können dadurch unser Umfeld schneller einordnen und schneller reagieren. Der bewusste Umgang mit unserem angelernten Schubladendenken ist aber wichtig, um Diskriminierung und Konflikte in der Gesellschaft nicht zuzulassen.

Stereotype und Vorurteile

Stereotype, wie die oben genannten, bezeichnen mit einer bestimmten Gruppe assoziierte Eigenschaften und können positive, neutrale und negative Aspekte beinhalten. Stereotype unterscheiden sich von Vorurteilen. Vorurteile beziehen sich nämlich auf einzelne Personen. Sie beinhalten eine gewisse Zuneigung oder Abneigung gegenüber einer Person, begründet durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Vorurteile bauen auf Erwartungen.

Vorurteile sind Urteile, die sich nicht auf eine Person an sich beziehen, sondern auf ihre Gruppenzugehörigkeit.

Vorurteile und Identität

Stereotype und Vorurteile sind, wie wir bereits erfahren haben, mit Erwartungen verknüpft. Sie sind aber auch ein wichtiges Instrument, um die eigene Identität abzustecken. Vorurteile werden demnach so manifestiert, dass sie die Gruppen, mit denen wir uns selbst identifizieren, besser darstellen. Fremde Gruppen werden stärker stereotypisiert, da wir weniger über sie wissen. Vorurteile führen zu Vergleichen, wobei wir oft anderen einen negativen Stempel verpassen, um selbst gut abzuschneiden. Die Zuordnung von Menschen zu bestimmten Gruppen verzerrt das Bild unseres Gegenübers, wir ziehen voreilig Schlüsse, ohne eine Person kennengelernt zu haben.

Wenn Vorurteile zu Diskriminierung und Konflikten führen

Oft werden negative Emotionen auf Gruppen gelenkt, die solchen Zuschreibungen machtlos ausgeliefert sind und von denen kein Widerstand erwartet wird. Zielgruppen sind somit oft Minderheiten, sozial schwache Gruppen, Obdachlose, Menschen mit Behinderung, Ausländer*innen oder Homosexuelle. Vorurteile können damit Diskriminierung begründen und ankurbeln. Sie haben eine wesentliche Funktion in sozialen Konflikten bis hin zu Kriegen. Der innere Zusammenhalt einer Gruppe basiert auf der Abgrenzung von feindlichen Gruppen, dadurch wird die Bereitschaft und Motivation geschürt, gegen die „Feinde“ zu kämpfen.

Vorurteile und Schubladendenken kann sowohl auf psychischer Ebene als auch auf sozialer Ebene schwerwiegende Folgen haben. Grund genug, um mit unseren eigenen Menschenbildern etwas sorgfältiger umzugehen.

Vorurteile abschaffen!?

Stereotype wird es immer geben, sie sind im Grunde nichts negatives, so mancher Italiener freut sich wahrscheinlich, weltweit als Pizzaesser bekannt zu sein. Das Um und Auf für das Zusammenleben in einer heutzutage so globalisierten Gesellschaft ist es, unsere Aufmerksamkeit von Zeit zu Zeit auf unsere eigene Wahrnehmung, unsere Stereotype und Vorurteile zu lenken, diese zu erkennen und zu reflektieren. So einfach ist es aber gar nicht, in der Kindheit erworbene Vorurteile wieder loszuwerden, sagt die Wissenschaft. Step by step, sagen wir.

Wer kann nun die Initiative ergreifen und mit der langsamen Minderung von gesellschaftlichen Vorurteilen beginnen? Zuerst liegt es in der Hand jeder * jedes Einzelnen. Aber auch die Politik kann Maßnahmen setzen, indem selbstreflektiert mit Vorurteilen umgegangen wird und diese nicht geschürt werden. Darüber hinaus haben Schulen gewisse Handlungsmöglichkeiten. Da sich Vorurteile erst im späten Jugendalter manifestieren, spielt die interkulturelle Erziehung und vor allem die Begegnung im Schulalter eine besonders wichtige Rolle. Positiver persönlicher Kontakt zwischen Gruppen, die Projektarbeit in heterogenen Arbeitsgruppen sowie die Auseinandersetzung mit multikulturellem Unterrichtsmaterial und anderen Perspektiven kann wesentlich zum Abbau von Vorurteilen beitragen.

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Quellen:

Förster, Jens (2007): Eine kleine Einführung in das Schubladendenken. München: Deutsche Verlags-Anstalt

Bergmann, Werner (2006): Was sind Vorurteile? In: Bundesanstalt für Politische Bildung (2006): Informationen zur politischen Bildung, Heft 271: Vorurteile. Online: http://www.bpb.de/izpb/9677/vorurteile (15.01.2017)

Zeug, Katrin (2013): Der Fluch der Vorurteile. In: Zeit Wissen Nr. 3/2913. Online: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/03/psychologie-vorurteile-verhalten/komplettansicht (15.01.2017)

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