Book Release Party

Das war die Book Release Party, ein fantastisches Wochenende, das zumindest wir drei sehr genossen haben und wir hoffen, euch hat es auch gefallen. An dieser Stelle wollen wir uns noch einmal bei allen bedanken, die mitgewirkt haben und dabei waren. Das war die Brunnenpassage mit einem tollen kompetenten Team, fleißige Barleute und die Foodsupply-Truppe, die für unser leibliches Wohl sorgten – das Essen war übrigens von minimal-is-muss, dann wären da noch unsere liebe Fotografin und die Kamerateams und nicht zu vergessen, die musikalische Begleitung durchs Wochenende mit Wuk, Klezplosion und Aeham Ahmad. Es freut uns, dass so viele Blickwinkel Freundinnen und Freunde dabei waren und wir neue Menschen kennenlernen durften und wir hoffen, es gibt bald wieder eine Gelegenheit! 🙂

(c) Johanna Bonsels

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(c) Igor Ripak

(c) Igor Ripak

Einladung zur Book Release Party am 1. und 2. April in der Brunnenpassage in Wien

Werte Blogleserinnen und Blogleser!

Wir laden euch herzlich ein zu unserer Buchpräsentation am 1. und 2. April in der Brunnenpassage. Nur noch eine Woche bis zum Event und das 2-Tages-Programm hat einiges zu bieten. Also gleich den Kalender auspacken und den Termin festhalten! Wir freuen uns, wenn ihr dabei seid und, wie immer, auch eure Nachbarn mitbringt 🙂

Am Samstag, 1. April werden wir euch präsentieren, was wir im letzten Jahr erarbeitet haben. Das Comicbuch wird vorgestellt und eine Ausstellung wartet auf euch. Natürlich sorgen wir uns nicht nur um euer kulturelles und geselliges Wohlergehen, auch an die Durstigen und Hungrigen unter euch haben wir gedacht. Schließlich sollt ihr gestärkt sein, wenn dann die wunderbar charmanten Klezplosion mit ihren „streychfähigen und tanzbaren jiddischen Liedern“ zum Tanz bitten und wir mit euch noch bis spät weiter feiern.

Am Sonntag, 2. April geht’s dann weiter, ab 18:00 Uhr habt ihr die Möglichkeit, die Comic-Ausstellung zu besuchen und wir stehen euch bei allen Fragen Rede und Antwort. Pünktlich kommen ist Pflicht, um 19:00 Uhr gibt’s nämlich ein weiteres Highlight. Aeham Ahmad, Protagonist des Blickwinkel Comics Bewegte Tastenwird ein Klavierkonzert spielen. Aeham ist ein palästinensisch-syrischer Pianist, dessen Geschichte durch seine öffentlichen Auftritte im syrischen Flüchtlingslager Jarmuk – als „Pianist in den Trümmern“ – um die Welt ging. Mittlerweile lebt er als Flüchtling in Deutschland. Es ist für uns eine riesige Ehre, dass er für unsere Veranstaltung nach Wien reisen wird. Anschließend wird es im Rahmen der aktuellen Arts, Rights and Justice Reihe der Brunnenpassage Wien eine spannende Diskussionsrunde geben und natürlich wollen wir mit euch noch einmal auf Blickwinkel anstoßen.

Weitere Details zum Programm findet ihr hier.

Comics Initiative Österreich Wien Book Release

Vorurteile und Stereotype – über das alltägliche Schubladendenken

Positive, negative und neutrale Verallgemeinerungen

Französinnen und Franzosen sind romantisch, Österreicher*innen sind immer am Berg und jodeln, Nigerianer*innen laufen alle schnell und tanzen gut, Italiener*innen essen immer Pizza und Pasta. Schon ganz schön kreativ. Verallgemeinerung und Übergeneralisierung liegen in der Natur des Menschen, früher waren sie für uns sogar überlebensnotwendig. Wir können dadurch unser Umfeld schneller einordnen und schneller reagieren. Der bewusste Umgang mit unserem angelernten Schubladendenken ist aber wichtig, um Diskriminierung und Konflikte in der Gesellschaft nicht zuzulassen.

Stereotype und Vorurteile

Stereotype, wie die oben genannten, bezeichnen mit einer bestimmten Gruppe assoziierte Eigenschaften und können positive, neutrale und negative Aspekte beinhalten. Stereotype unterscheiden sich von Vorurteilen. Vorurteile beziehen sich nämlich auf einzelne Personen. Sie beinhalten eine gewisse Zuneigung oder Abneigung gegenüber einer Person, begründet durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Vorurteile bauen auf Erwartungen.

Vorurteile sind Urteile, die sich nicht auf eine Person an sich beziehen, sondern auf ihre Gruppenzugehörigkeit.

Vorurteile und Identität

Stereotype und Vorurteile sind, wie wir bereits erfahren haben, mit Erwartungen verknüpft. Sie sind aber auch ein wichtiges Instrument, um die eigene Identität abzustecken. Vorurteile werden demnach so manifestiert, dass sie die Gruppen, mit denen wir uns selbst identifizieren, besser darstellen. Fremde Gruppen werden stärker stereotypisiert, da wir weniger über sie wissen. Vorurteile führen zu Vergleichen, wobei wir oft anderen einen negativen Stempel verpassen, um selbst gut abzuschneiden. Die Zuordnung von Menschen zu bestimmten Gruppen verzerrt das Bild unseres Gegenübers, wir ziehen voreilig Schlüsse, ohne eine Person kennengelernt zu haben.

Wenn Vorurteile zu Diskriminierung und Konflikten führen

Oft werden negative Emotionen auf Gruppen gelenkt, die solchen Zuschreibungen machtlos ausgeliefert sind und von denen kein Widerstand erwartet wird. Zielgruppen sind somit oft Minderheiten, sozial schwache Gruppen, Obdachlose, Menschen mit Behinderung, Ausländer*innen oder Homosexuelle. Vorurteile können damit Diskriminierung begründen und ankurbeln. Sie haben eine wesentliche Funktion in sozialen Konflikten bis hin zu Kriegen. Der innere Zusammenhalt einer Gruppe basiert auf der Abgrenzung von feindlichen Gruppen, dadurch wird die Bereitschaft und Motivation geschürt, gegen die „Feinde“ zu kämpfen.

Vorurteile und Schubladendenken kann sowohl auf psychischer Ebene als auch auf sozialer Ebene schwerwiegende Folgen haben. Grund genug, um mit unseren eigenen Menschenbildern etwas sorgfältiger umzugehen.

Vorurteile abschaffen!?

Stereotype wird es immer geben, sie sind im Grunde nichts negatives, so mancher Italiener freut sich wahrscheinlich, weltweit als Pizzaesser bekannt zu sein. Das Um und Auf für das Zusammenleben in einer heutzutage so globalisierten Gesellschaft ist es, unsere Aufmerksamkeit von Zeit zu Zeit auf unsere eigene Wahrnehmung, unsere Stereotype und Vorurteile zu lenken, diese zu erkennen und zu reflektieren. So einfach ist es aber gar nicht, in der Kindheit erworbene Vorurteile wieder loszuwerden, sagt die Wissenschaft. Step by step, sagen wir.

Wer kann nun die Initiative ergreifen und mit der langsamen Minderung von gesellschaftlichen Vorurteilen beginnen? Zuerst liegt es in der Hand jeder * jedes Einzelnen. Aber auch die Politik kann Maßnahmen setzen, indem selbstreflektiert mit Vorurteilen umgegangen wird und diese nicht geschürt werden. Darüber hinaus haben Schulen gewisse Handlungsmöglichkeiten. Da sich Vorurteile erst im späten Jugendalter manifestieren, spielt die interkulturelle Erziehung und vor allem die Begegnung im Schulalter eine besonders wichtige Rolle. Positiver persönlicher Kontakt zwischen Gruppen, die Projektarbeit in heterogenen Arbeitsgruppen sowie die Auseinandersetzung mit multikulturellem Unterrichtsmaterial und anderen Perspektiven kann wesentlich zum Abbau von Vorurteilen beitragen.

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Quellen:

Förster, Jens (2007): Eine kleine Einführung in das Schubladendenken. München: Deutsche Verlags-Anstalt

Bergmann, Werner (2006): Was sind Vorurteile? In: Bundesanstalt für Politische Bildung (2006): Informationen zur politischen Bildung, Heft 271: Vorurteile. Online: http://www.bpb.de/izpb/9677/vorurteile (15.01.2017)

Zeug, Katrin (2013): Der Fluch der Vorurteile. In: Zeit Wissen Nr. 3/2913. Online: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/03/psychologie-vorurteile-verhalten/komplettansicht (15.01.2017)

Angst vor dem Fremden!?

„Da klopfte ein junger Mann kräftig an das Autofenster der Fahrertüre. Ich war mit meiner kleinen Tochter unterwegs. Ich hatte Angst.“

„Wir hatten noch keinen Gartenzaun. Immer wieder standen Flüchtlinge auf der Wiese. Ich wollte meine Tochter nicht mehr alleine draußen spielen lassen.“

Einige ähnliche Erzählungen und schlussendlich ein Posting in Sozialen Medien zu diesem Thema haben Valerie zu diesen Illustrationen inspiriert. Die Bilder sprechen für sich, es ist nicht notwendig, noch viel dazu zu sagen.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema ließ unsere Gedanken größere Kreise ziehen.  Wir denken zuerst an Menschen mit uns fremdem kulturellen Hintergrund, an Menschen, die in einer völlig anderen Umgebung aufgewachsen sind. Muss diese Fremde jedoch geographisch so weit weg liegen? Wir müssen nur genauer hinblicken, auf die uns vertraute Gesellschaft, um solche Konstellationen zu entdecken.

Zwei Fremde lernen sich kennen und verlieren dabei die Angst vor dem Unbekannten.

Über den Migrationshintergrund und den Hintergrund der Migration – Eine kleine Klärung von Begrifflichkeiten

Blickwinkel, Comics schaffen Mut zur Perspektive. Bei der Serie Aus dem Leben geht es um Menschen, die einen sogenannten Migrationshintergrund haben. Blickwinkel hat die Anekdoten gesammelt und kurze Comics daraus gemacht.
Zwei junge syrische Flüchtlinge machen ein Selfie für ihre Eltern.

Was versteht man unter Migration? Die Wanderung weg von der alten Heimat zu einem anderen Ort? Ja? Seit wann gibt’s das überhaupt? Und war das immer gleich?

Gehen wir erst mal ein Stück zurück in der Menschheitsgeschichte, dann finden wir heraus, dass es Migration von Beginn an gab. Es gab zyklische Wanderungen von Nomadenstämmen genauso wie die Flucht vor Naturkatastrophen und die Suche nach einem besseren Ort, um auf Dauer gut zu leben. Bisherige wissenschaftliche Forschungen deuten darauf hin, dass die globalen Wanderbewegungen vor ungefähr 50 000 bis 60 000 Jahren in Ostafrika begannen. Das ist ja schon ein Weilchen her.  Von dort aus bereisten und besiedelten die Menschen viele Orte rund um den Globus. Migration war immer schon mit Risiken verbunden, manche Gruppen genossen ein gutes Leben an den neuen Orten, andere wurden von Konflikten und Krankheiten heimgesucht.

Haben wir alle Migrationshintergrund?

Forscher beschäftigen sich schon seit geraumer Zeit mit Spuren früherer Migration in der Zusammensetzung der Gene. Ein internationales Forscherteam erstellte eine interaktive Weltkarte, die die globale Vermischung der Gene darstellt. Sie zeigt zum Beispiel, dass Menschen in Griechenland in ihrer DNA Spuren aus Schottland, England, Polen, Sardinien, Sizilien, Jordanien, Zypern, Syrien, Georgien und dem Iran herumtragen. Schau doch mal nach, woher deine Vorfahren kommen!

Die Wanderbewegungen gingen weiter bis zu schriftlich festgehaltenen Reisen der Griechen, im Mittelmeerraum, dem Römischen Imperium, den Mongolen, die China einnahmen, der Völkerwanderung Europas bis zum 7. Jahrhundert n.Chr. und dem Beginn der Handelsreisen.

Wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt, stehen Migration und Globalisierung in ziemlich engem Zusammenhang. Forscher ordnen Migration als eine von vier Formen globaler Vernetzung ein. Die anderen drei sind die Großreiche, die Verbreitung der Religionen und die Handelsbeziehungen – und auch die haben irgendwie mit Migration zu tun. Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied der Migration im Zeitalter der Globalisierung und zwar ist das die langsame Entstehung von großräumigen Strukturen, also einem globalen Netzwerk, das es ja vor dem 16. Jahrhundert nicht gab. Vorher ging man einfach weg, ohne den Kontakt zu Zurückgebliebenen zu halten und ohne zurückzukehren. Heute ist es durch das Internet und vor allem soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter usw. leichter als je zuvor, den eigenen Freundeskreis auf der ganzen Welt verteilt zu haben und regelmäßig in Kontakt zu bleiben. Früher wurden noch Briefe mit Tauben und Pferdekutschen verschickt, da war das natürlich nicht so einfach. 🙂

Die IOM (International Organisation for Migration) versteht unter dem Begriff „Migration“ die Bewegung eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen innerhalb eines Staates oder über staatliche Grenzen hinaus. Jede Art von Bevölkerungsbewegung unabhängig von der Distanz, der Zusammensetzung und der Gründe wird unter dem Begriff „Migration“ zusammengefasst. Dazu zählen Flucht, Vertreibung, Wirtschaftsmigration, genauso wie andere Migrationsgründe wie Familienvereinigung.

Also was sind nun, außer der engen Verknüpfung mit der Globalisierung, die Merkmale der Migration von heute? Ja, alle wandern in die Industriestaaten, also in Länder, die technisch und wirtschaftlich hoch entwickelt sind und es deswegen viele gute Arbeitsplätze gibt. Naja, bei weitem nicht alle und viele gehen auch wo anders hin, aber ein Trend lässt sich klar feststellen. Es gibt zahlreiche Gründe, warum Menschen ihre Heimat verlassen, meistens ist es auch nicht nur ein Grund, sondern viele Faktoren, die eine derartige Entscheidung beeinflussen. Aber darüber sprechen wir ein anderes Mal.

Seit den 1980er Jahren nimmt die Anzahl der migrierenden Menschen zu. Fortschrittliche Reisemöglichkeiten, das Internet und die weltweite Verknüpfung durch die Medien erleichtern die Wanderung sowie das Leben an einem neuen Ort. Experten vermuten, dass die Zahl der migrierenden Menschen in Zukunft weiter ansteigen wird. Diese Entwicklung birgt sowohl Herausforderungen für viele Länder, gleichzeitig aber auch immense Chancen.

Jetzt wissen wir schon viel über die Migration von gestern, heute und von morgen. Werden nun aber alle Menschen, deren Vorfahren irgendwann ihren Geburtsort verließen unter dem doch kritisch zu verwendenden Begriff „Menschen mit Migrationshintergrund“ zusammengefasst? Oder wen genau meinen wir, wenn wir jetzt ganz konkret in Österreich von Menschen mit Migrationshintergrund sprechen?

Generell gibt es viele verschiedene Definitionen von „Migrationshintergrund“, weder in der Wissenschaft noch in der Alltagssprache ist man sich dabei einig – wie so oft. 🙂

Zumindest was aber die statistischen Daten angeht, hält sich Österreich an die Definition der Vereinten Nationen und dort ist „Migrationshintergrund“ durch den Geburtsort der Eltern definiert.

Migrationshintergrund besteht also nur dann, wenn beide Elternteile im Ausland geboren sind! Wo die betreffende Person geboren ist, spielt dabei nun keine Rolle.

Der Geburtsort der betreffenden Person sagt nur aus, ob diese der ersten oder der zweiten Generation mit Migrationshintergrund angehört. Ist ein Elternteil im Ausland geboren und ein Elternteil im Inland, dann spricht man eben genau nicht von Migrationshintergrund sondern von gemischtem Hintergrund – aha?

Soviel zur Begriffsdefinition – zu beurteilen, ob die im Alltag standhält oder umfällt, das ist nun euch überlassen. Wir freuen uns, wenn ihr euer Wissen, eure Sozialstudien und eure Erfahrungen mit uns teilt!


Quellen:

International Organization for Migration (IOM): Key Migration Terms. Online unter: http://www.iom.int/key-migration-terms#Migration (05.10.2016)

Keeley, Brian (2009): Internationale Migration: Die menschliche Seite der Globalisierung, OECD Publishing, Paris.http://dx.doi.org/10.1787/9789264075740-de

Sunjic, Melita H.: Das Weltflüchtlingsproblem: gestern — heute — morgen. Online unter: http://www.demokratiezentrum.org/fileadmin/media/pdf/sunjic.pdf (07.10.2016)

Osterhammel, Jürgen & Petersson, Niels P. (2006): Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen. München: C.H. Beck

Statistik Austria (2016): Bevölkerung in Privathaushalten nach Migrationshintergrund. Online unter: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bevoelkerung/bevoelkerungsstruktur/bevoelkerung_nach_migrationshintergrund/index.html (15.10.2016)

UNECE (United Nations Economic Commission for Europe) (2006): Conference of European Statisticians Recommendations for the 2010 Census of Population and Housing. New York, Genf: United Nations.

Raus aus der Komfortzone

Ja, wir mussten und wollten raus aus unserer Komfortzone. Das war schon lange unser Plan und längst überfällig. Raus aus unserer sicheren Blase, gefüllt mit Menschen, die unsere Meinung teilen und unsere Ansichten super verstehen. Wo man bestätigt wird und sich gar nicht erst rechtfertigen muss. Unsere wohlig-warme, sichere Blase, die eben doch nur eine Blase ist.

Letzten Samstag war es dann so weit. Ein bisschen hinausgezögert haben wir es noch, nach dem Frühstück wurden erst mal Storyboards bereits gesammelter Geschichten und das Konzept für eine bevorstehende Ausstellung besprochen.

Aber irgendwann hieß es doch, „Los, fahren wir.“ und wir machten uns auf den Weg. Erstes Ziel war das einst verrufene Franckviertel in Linz. Getrieben von der Motivation,  mit Menschen zu sprechen, denen wir in unserer Blase nicht so schnell begegnen oder – worst case – um die wir sonst vielleicht auch einen großen Bogen machen, rüsteten wir uns mit einer Packung Clever Waffeln und der aktuellen Ausgabe der Kronenzeitung  aus (im Eifer des Gefechts ein äußerst unreflektierter Schmäh).

Schnell hatten wir auf einer Parkbank einen Mann und eine Frau bemerkt, auf deren Geschichten wir neugierig waren. Wir setzten uns auf die Parkbank neben die zwei und siehe da, es dauerte keine fünf Minuten, bis wir mit ihnen – Jürgen und Sonja (Namen geändert) – ins Gespräch kamen. Ob wir öfter hier seien, wollten sie wissen, denn sie hätten uns noch nie gesehen. Und warum wir gar nicht beim Brunnenfest seien, eine tolle Band spiele dort, Essen und Getränke gäb’s, veranstaltet würd es von der FPÖ oder so.

Nachdem wir uns eine Zeit lang unterhalten hatten, beschlossen wir zu fünft, auf einen Spritzer zum Brunnenfest zu schauen. Da gingen wir also – Jürgen, Sonja, Valerie, Anna und Kathrin – die letzteren wohl mit einer zwar neugierigen, aber auch nervösen Erwartungshaltung. Dann saßen wir auf unserem Biertisch, definitiv außerhalb unserer Komfortzone, tranken Spritzer weiß und unterhielten uns.

Sonja, anfangs eher wortkarg und zurückhaltend, blühte auf einmal auf. Sie meinte, dass sie im Grätzl eher selten auf Leute treffe, mit denen man sich “normal” unterhalten könne. Das war bestimmt mitunter ein Grund, warum sie schier nicht mehr aufzuhalten war, als sie von ihrer Beziehung mit Jürgen erzählte, von der Eifersucht gegenüber einer Nebenbuhlerin, von ihrem Vorhaben, in der kommenden Sternschnuppennacht ein Picknick an der Donaulände zu machen und ihrem Traum, mit Jürgen in der Steiermark ein neues Leben aufzubauen, weil sie weiß, dass sie ihn nur fern vom Linzer Umfeld vielleicht vom Alkoholismus wegbringen könnte. Da öffnete sie sich, Sonja, die in Jordanien geboren wurde und im Alter von fünf Jahren nach Österreich kam, der die Message der politischen Veranstaltung wurschter nicht sein könnte (so wirkte es zumindest auf uns), und genoss es, dass ihr – vielleicht seit langem wieder mal – jemand zuhörte.

Jürgen ist der Coole, Alkoholiker, Waise, Weiberer, ihn kennt das gesamte Viertel, inklusive der Polizei. Er erzählte von seinen verstorbenen Eltern, seinen Kindern, seinen Versuchen, vom Alkohol wegzukommen, von seiner Fußballkarriere in jungen Jahren und und und. Auch ihm gefiel es, drei junge Menschen gegenüber zu haben, die zuhörten, wenn auch nicht auf so offensichtliche Weise wie Sonja.

So verging die Zeit, etwa zwei Stunden, bis wir uns verabschiedeten, nachdem uns Sonja erzählt hatte, an welchen Plätzen in Linz wir uns demnächst wieder sehen könnten.

Was ist in unseren Köpfen geblieben? Zuerst einmal die ganz eigene Art von Diversität unter den Veranstaltungsbesucher*innen. Der alte Mann, bei dem das Hemd nicht mehr zuging und unser Blick deshalb unweigerlich auf den rausquellenden Bauch fiel, die Muskelmänner mit den Armen voller Tattoos, das junge Mädl mit den pinken Haaren, der Schlagersänger mit dem roten Kopf,… alle akzeptierten einander, wie sie waren. Politik war nebensächlich, der Großteil war wohl wegen dem billigen Kotelett mit Erdäpfelsalat und dem Spritzer gekommen – und –  der tollen Livemusik.

Wahrscheinlich geht es doch den meisten Menschen, unabhängig von sozialer oder wirtschaftlicher Stellung, politischer Gesinnung et cetera darum, ein soziales Umfeld zu haben, in dem man akzeptiert und respektiert wird. Würde auf den Plakaten neben der Bühne und in den Parteizeitschriften, die auf den Tischen liegen, nicht offensichtlich oder unterschwellig etwas anderes kommuniziert, würde der Spritzer dort doch viel besser schmecken.

Bewegte Tasten

blickwinkel comics schaffen mut zur perspektivevalerie bruckboeg art002_blickwinkel_mutzurperspektive003_blickwinkel_mutzurperspektive

Der Comic basiert auf der Geschichte von Aeham Ahmad. Eine Geschichte, die uns vom ersten Moment an in den Bann gezogen hat – auf vielfältige Art. Sie hat uns berührt – mit all der Hoffnung und dem Mut, den sie erzählt. Sie hat uns traurig gemacht, weil sie das Leid von Menschen, deren Alltag von Gewalt und Krieg geprägt ist, schildert. Sie hat uns aber auch freudig gestimmt, mit all der Solidarität und Empathie, die Aeham lebt und erlebt. Und sie hat uns ermutigt – in unserem Vorhaben, Geschichten von Menschen für Menschen zu erzählen.

Aeham ist 1988 in einem Flüchtlingslager namens Jarmuk geboren und aufgewachsen. Jarmuk ist ein Stadtteil der syrischen Hauptstadt Damaskus. In dem Flüchtlingslager lebten vorwiegend Palästinenser, die wegen der Konflikte mit Israel nicht mehr in ihrer Heimat bleiben konnten und deren Nachfolgen. Bis zu 160.000 Menschen wohnten dort, und in dem ursprünglichen als Zeltlager angelegten Viertel gab es Strom, Schulen, Moscheen und Krankenhäuser. Im Jahr 2011 brach in Syrien ein Bürgerkrieg aus – damit änderte sich auch das Leben in Jarmuk drastisch. Hungersnot, Gewalt und Tod bestimmten fortan den Alltag der Bewohner. Trotzdem wollten viele Menschen in Jarmuk ihre Stadt – und die Hoffnung auf ein Ende des Krieges – nicht aufgeben.

Unter ihnen der Musiker Aeham Ahmad. Er brachte sein Klavier auf die Straße und spielte dort, inmitten von Trümmern und Schutt. Seine Erklärung dafür klingt zuerst einmal sehr pragmatisch – er fand keinen beleuchteten Raum mehr, indem er hätte spielen können. Aber vor allem wollte er Hoffnung schaffen und seine eigene Hoffnung bewahren. Aeham spielte und sang in den Straßen von Jarmuk – zusammen mit Freunden und Kindern aus der Stadt. Fast jeder Mensch weiß, dass Musik oft unser Denken und Handeln beeinflussen kann. Musik ist dazu im Stande, sowohl positive aber auch negative Emotionen zu verstärken. Musik bringt Menschen ein Stück näher zusammen.

Im Frühjahr 2015 wurde Jarmuk von der Terrormiliz Islamischer Staat eingeschlossen und war großteils von jeglicher Versorgung abgeschlossen. Die wenigen tausend Menschen, die zu dieser Zeit noch dort lebten, darunter auch viele Kinder, hatten keinen Zugang mehr zu Nahrung, Wasser und Strom. Irgendwann sah auch Aeham keinen anderen Weg mehr als jenen, der ihn aus Syrien hinausführte. Im Herbst 2015 beschritt er den gefährlichen Weg von Syrien nach Europa. Seine Frau und zwei Kinder ließ er zurück – in der Hoffnung, dass sie später auf legalem und sicherem Weg nach Europa kommen können.

Aeham hatte Glück. Er schaffte den Weg von Syrien nach Deutschland. Dort fand er schon bald Anschluss, Menschen, die ihn unterstützen und auch die Möglichkeit, Klavier zu spielen. Seit Mai 2016 hat er einen positiven Asylbescheid und kann in Deutschland bleiben.

Diese Geschichte wurde inspiriert von Aeham. So einzigartig und besonders sie ist, so ist Aeham doch einer von vielen. Aeham ist ein Teil der „Flüchtlingswelle“, die im Moment Europa „überschwemmt“.

Jede dieser Geschichten ist einzigartig, jede verdient es, erzählt zu werden.

Erfreuliches Blickwinkel Update – Crowdfunding-Kampagne erfolgreich abgeschlossen

Finanziert!

 

 

Es kann los gehen! Und das noch vor Jahreswechsel!

Wir können es noch gar nicht so richtig glauben. Blickwinkel ist vollständig finanziert, und das sogar noch vor dem Jahreswechsel!

Die letzten Monate waren geprägt von Motivation und Zusammenarbeit, von zahlreichen stundenlangen Skypes und ständigem Whatsapp-Gepiepse – ja, so war es möglich über Bundesländer hinweg und darüber hinaus zu kommunizieren und gemeinsam an unseren Ideen zu basteln. Es war eine spannende Zeit mit vielen aufregenden Momenten.

Wir wollen uns an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die uns während der Crowdfunding Kampagne auf unterschiedlichste Weise unterstützt haben! Wir freuen uns über die erfolgreiche Finanzierung und auf ein kreatives Jahr 2016! Daher feiern wir mit euch den Projektstart am 5. Jänner im Tüwi!! Schaut vorbei, informiert euch, feiert mit!